04.11.2015

Schnellzuglokomotiven mit Tatzlagerantrieb

Die Versuchslokomotiven E 18 01 und E 16 101

Die SSW (Siemens-Schuckert-Werke, Berlin) als Verfechter des kosten- und unterhaltungsgünstigen Tatzlagerantriebs hatten sich an der Ausschreibung zur Entwicklung von Schnellzuglokomotiven mit Einzelradsatzantrieb mit zwei Maschinen beteiligt. Fast gleichzeitig mit der E 21 51 traf im November 1927 im Bw Leipzig West eine Drehgestelllokomotive mit der Radsatzfolge (1’Bo)(Bo1’) ein, der ein Jahr später im November 1928 eine 1’Do1’-Einrahmenlok folgte. Die Drehgestellmaschine erhielt die Betriebsnummer E 18 01, die andere Lok die Betriebsnummer E 16 101.

 

Das Leistungsprogramm beider Lokomotiven entsprach dem der E 21 01 und E 21 51 und war damit ebenfalls auf die Strecke Breslau–Arnsdorf–Görlitz abgestimmt, doch gleichzeitig waren sie auch für den Einsatz im mitteldeutschen Flachland entwickelt worden. Zwecks vergleichender Untersuchungen gelangten sie nach ihrer Ersterprobungszeit in der Rbd Halle für eine kurze Einsatzzeit in das schlesische Netz, um anschließend wieder dorthin zurückzukehren. Sie können daher nicht als typisch schlesische Elloks eingestuft werden, sollen wegen der technischen Bezüge zu den E 21 01, 02 und 51 aber mit vorgestellt werden

 

Die Inbetriebnahme und der Versuchseinsatz

Die Inbetriebnahme der E 18 01 fand im Bw Leipzig West statt. Nach den ersten Probefahrten setzte sie das Heimat-Bw ab Anfang 1928 im Reisezugdienst hauptsächlich zwischen Leipzig und Magdeburg über Dessau ein. Bei einer am 5. Februar 1928 durchgeführten Versuchsfahrt erlitt der Hauptumspanner einen Schaden. Zur Reparatur wurde die komplette Lok an die SSW nach Berlin überstellt. Ab dem 10. Mai 1928 war sie wieder einsatzfähig. Erst im Oktober 1928 führte das RZA mit ihr die obligatorischen Leistungsmessfahrten durch. Hierbei erbrachte sie den Nachweis, dass sie das gestellte Leistungsprogramm problemlos erfüllen konnte. Während ihrer weiteren Einsatzzeit stellten sich nach einer Laufleistung von etwa 100.000 Kilometern etliche mechanische Unzulänglichkeiten ein. Hiervon seien eine zu große Seitenbeweglichkeit der Laufradsätze, ausgeschlagene Lager der Drehgestellkupplung, Risse in den Deichseln der Bisselgestelle und die Erwärmung der Treibradsatzlager genannt. Die Firma Borsig führte neben den erforderlichen Reparaturen während der Gewährleistung auch konstruktive Änderungen an den Rückstellvorrichtungen der Laufradsätze aus, die jedoch zu keinem durchgreifenden Erfolg führten.

 

Auch die fabrikneue E 16 101 wurde im Bw Leipzig West stationiert. Am 5. November 1928 wurde bereits nur wenige Tage nach ihrer Anlieferung die Abnahmeprobefahrt durchgeführt, die ohne Bemängelungen verlief. Weitere Probefahrten zogen sich bis zum Jahresende hin, bis sie ihr Heimat-Bw ab Beginn des Jahres 1929 im planmäßigen Reisezugdienst einsetzen konnte.

 

Auszug aus dem Buch

 

Peter Glanert / Thomas Borbe / Wolfgang-Dieter Richter

Reichsbahn-Elloks in Schlesien

Entwicklung, Einsatz und Verbleib von 1909 bis heute

Die Güterzugloks EG 538 bis EG 594 (E 90, E 91, E 95)

Die Personenzugloks EP 202 bis EP 252 (E 30, E 42, E 50)

Die Versuchsloks E 18 01, E 16 101, E 21

ca. 256 Seiten, Format 22,0 x 29,7 cm, Hardcover, mit über 300 Fotos und Zeichnungen

Erscheint im November 2015

Best.-Nr. 581525 l € 39,95

 

Weitere Schlesien-Titel im Programm

Die Ellok-Baureihen E 01 und E 71¹

Entwicklung, Einsatz und Verbleib der ES 9-19 und EG 511-537

 

Die Zackenbahn

Schlesische Gebirgsbahn im Modell