Fahrt frei in den Untergang

Eisenbahn spielte im Ersten Weltkrieg eine zentrale Rolle

Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen hat den Beginn des Ersten Weltkriegs nicht mehr erlebt. Seine Strategie aber, bei der die Eisenbahn eine nicht unwesentliche Rolle spielte, sollte den Kriegsverlauf an der Westfront entscheidend bestimmen.

 

Ein schneller, in einer Zangenbewegung errungener Sieg über Frankreich im Westen, sodann mit vereinten Kräften das erfolgreiche Vorgehen gegen das zaristische Russland: Das ist die Quintessenz des in mehreren Etappen bis 1905 entwickelten Schlieffenplans, an den sich mit einigen Modifizierungen der deutsche Generalstab unter dem jüngeren Helmuth von Moltke bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs hielt.

 

Ausgangspunkt für von Schlieffens Strategiekonzept war die sich immer komplexer entwickelnde Bündnislage im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Vor allem aber die nach dem unnötigen deutschen Verzicht auf Erneuerung des Rückversicherungsvertrags mit Russland sich anbahnende Annäherung zwischen Zarenreich und Frankreich, die 1894 zum Bündnis beider Mächte führte, ließ den 1891 zum Generalstabschef des kaiserlichen Heeres berufenen von Schlieffen nicht unbeeindruckt. Dem preußischen Kavalleriegeneral, der schon als Generalstabsoffizier an den Kriegen von 1866 und 1870/71 teilgenommen hatte, war bewusst, dass man vor dem Dilemma, einen Zweifrontenkrieg führen zu müssen, stand.

 

An dieser Stelle sei die ketzerische Frage erlaubt, was sich denn die deutsche Heeresleitung von einem derartigen Krieg überhaupt versprach? Denn es handelte sich ja keineswegs um eine Verteidigungs-, sondern vielmehr um eine Angriffsstrategie.

 

von Dr. Karlheinz Haucke

 

Auszug aus

Modelleisenbahner Extra

Der Erste Weltkrieg und die Eisenbahn

Best.-Nr.: 911601

 

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Sorgfältig recherchiert und aufwändig bebildert