27.09.2012

Dem Kunden nah

Der Bundesbahn-Kundenbrief (aus Eisenbahn Journal 11/12)

Die Deutsche Bundesbahn, in der Rückschau allzu häufig als verschnarchte Beamtenbahn tituliert, präsentierte sich in den 1950er und 1960er Jahren als ausgesprochen agiles Verkehrsunternehmen. Überaus ideenreich suchte sie die Nähe zum Kunden. Aufschluss geben die vornehmlich an die verladende Wirtschaft verteilten DB-Kundenbriefe. Sie öffnen ein Fenster in die Vergangenheit und gewähren tiefe Einblicke in eine fast vergessene Eisenbahnwelt.

 

Im Januar 1956 mit monatlicher Erscheinungsweise an den Start gegangen, kam der DB-Kundenbrief ganz der Zeit entsprechend in schlichter schwarz-weißer Aufmachung und natürlich im klassischen DIN-A4-Format (210 x 297 mm) daher. Die vom Bundesbahn-Werbe- und -Auskunftsamt für den Personen- und Güterverkehr in Frankfurt am Main herausgegebene Broschüre umfasste bescheidene zwölf Seiten. Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der Umfang auf 16 Seiten erhöht. Bei besonderen Anlässen durften es natürlich auch ein paar Seiten extra sein.

 

Im neunten Erscheinungsjahr spendierte man der 100. Ausgabe (Nr. 4/1964) vier zusätzliche Seiten mit einem Gesamtumfang von 20 Seiten – man übte sich der Zeit entsprechend halt noch in unaufgeregter Bescheidenheit. Nicht ganz, wurde die Jubiläumsausgabe doch vergleichsweise aufwendig in einem bunten Faltblatt an die Bezieher verschickt, auf dem in Passbild-Manier das Konterfei des amtierenden ersten Präsidenten der Deutschen Bundesbahn prangte. Keinesfalls versäumte es der oberste Bahnrepräsentant, seines Namens Dr. Heinz Maria Oeftering, aus gegebenem Anlass an werbewirksamer Stelle gleich auch ein paar persönliche Worte an die werte Kundschaft zu richten.

 

Seine wichtigste Botschaft lautete:

 

„Seit Erscheinen des ersten Kundenbriefes im Januar 1956 hat die Schriftleitung sich das Ziel gesteckt, Sie vor allem im Güterverkehr, aber auch im Personenverkehr der Deutschen Bundesbahn über alle Neuerungen und Verbesserungen so schnell wie möglich zu informieren. Elektrifizierung, Verdieselung, Mechanisierung und Automatisierung werden bei der Deutschen Bundesbahn groß geschrieben. Ihnen in Wort und Bild alle modernen Errungenschaften der stürmischen technischen Entwicklung bei der Bundesbahn zu zeigen, zu den Beförderungsproblemen Stellung zu nehmen und Aktuelles aus Tarif und Transport zu bringen, sieht die Schriftleitung als ihre besondere Aufgabe an.“

 

Obendrein zeigte sich der nach offizieller Verlautbarung als „Informationsquelle“ propagierte Kundebrief in seiner Jubiläumsfassung zur Hälfte in Farbe.

 

von Udo Kandler

aus Eisenbahn Journal 11/12

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