Garantiert feinstaubfrei

BR 233 der DB Netz Instandhaltung „TIGER“ in H0 von Märklin

Schon seit einigen Jahren führt Märklin ein H0-Modell der Baureihe 132/232 „Ludmilla“ mit umfangreicher Digitalausrüstung im Programm. Für die jüngste Variante des DR-Klassikers versprechen die Göppinger nichts weniger als einen Meilenstein: Ein digital schaltbarer Dampfentwickler soll für reichlich Dieselauspuffausstoß sorgen.

 

Die Ludmilla aus dem Hause Märklin bietet die gewohnte Qualität der Modelle aus Göppingen. So müssen Märklinbahner zwar auf eine Kurzkupplungskulisse und das eine oder andere Detail verzichten, dafür halten sie aber ein robustes Metallmodell mit großem Spielwert in ihren Händen. Exklusiv für die Märklin Händler Initiative MHI haben die Schwaben eine spektakuläre neue Variante ausgeliefert: Das leuchtend gelbe Modell ist mit einem digital schaltbaren Kaltdampfentwickler versehen, der für einen realistischen Abgasausstoß sorgen soll.

 

Als Vorbild für das Modell dient die 233 493, die stärkste Lok der DB Bahnbau Gruppe. Die Geschichte der Baureihe begann Anfang der 1990er- Jahre. Damals erwog die DB AG ihre Dieselloks der Baureihe 132/232 neu zu motorisieren. Es dauerte noch ein gutes Jahrzehnt, bis die damals junge DB Cargo im Jahr 2000 den Umbau von 64 Lokomotiven in Auftrag gab. Die Maschinen wurden mit neuen Motoren aus der russischen Lokomotivfabrik Kolomna versehen (wo auch die Loks selbst entstanden waren). Dadurch konnten der Treibstoffverbrauch und der Stickoxydausstoß der nun als Baureihe 233 gelisteten Maschinen erheblich reduziert werden. Äußerlich unterscheiden sich die 233 deutlich von der 232. Während eine Seitenwand mit zusätzlichen Lüftern versehen wurde, weist die andere ein sechstes Seitenfenster auf. Fast alle 233er sind im Bestand von DB Cargo zu finden. 233 493 hat es hingegen zur DB-Tochter Deutsche Gleis- und Tiefbau (DGT) verschlagen, wo sie ihre aufällige Lackierung mit gelben Seitenwänden und schwarzem Dach erhielt und schnell den Spitznamen „Tiger“ abbekam.

 

Obwohl Märklin das 232-Gehäuse ohne die eigentlich erforderlichen Änderungen übernommen hat, macht die Lok eine gute Figur. Das schwere Metallgehäuse lässt das Modell ähnlich wuchtig und kraftvoll wie das Vorbild wirken. Unter dem Gehäuse arbeitet ein Längsmotor, der seine Kraft über Kardanwellen und Drehgestellgetriebe an alle sechs Radsätze überträgt. An Zugkraft sollte es also nicht mangeln. Elektronisches Herz ist ein mSD3- Decoder. Er meldet die Lok per mfx mit dem Namen „Tiger 233 493-6“ an, unter DCC hat sie ab Werk die Adresse 3. Das Fahrverhalten ist ausgezeichnet, Beschleunigungs- und Bremsvorgang wirken bei eingeschalteter Anfahr- und Bremsverzögerung (ABV) sehr überzeugend.

 

Digital schaltbarer Dampfentwickler

Die Anleitung weist explizit darauf hin, dass der Kaltdampfentwickler nur mit destilliertem Wasser betrieben werden darf. Kalk- oder ähnliche Rückstände könnten dem empfindlichen Bauteil schaden. Den Kaltdampfentwickler aktiviert man über F1. Der Ultraschallzerstäuber auf Piezo-Basis lässt sich auch im Stand aktivieren; allerdings nur für 60 Sekunden, dann schaltet er sich automatisch ab um zu große Niederschlagsmengen an ein und derselben Stelle zu vermeiden. Zwei Öffnungen im Dach sind der notwendige optische Kompromiss für die neue Technologie. Die (größere) Auspufföffnung dient als Auslass. Bei genauem Hinsehen ist im Inneren das Alublättchen des Zerstäubers zu erkennen. Die kleinere Öffnung daneben dient zum Befüllen der Lok. Ein Gummiverschluss für die Tanköffnung liegt dem Modell ebenso bei wie eine Pipette. Der Hersteller empfiehlt, den Tank mit 6 ml destilliertem Wasser zu befüllen. Maximal fasst der Tank etwa 7 ml.

 

Die Ultraschallzerstäubetechnik ist nicht neu – wer erinnerte sich nicht an die vor rund 20 Jahren in Mode gewesenen Zimmerbrunnen mit Nebelerzeugung? Nicht neu ist auch die Suche nach einer Alternative für das nicht in allen Lagen befriedigende Dampföl auf der Modellbahn.

 

Neu ist, den Zimmerbrunnen in die Lok zu bauen und so eine Erfahrungsbasis zu schaffen. die Technik funktioniert grundsätzlich, hat jedoch auch noch Schwächen. Nach Anwenderberichten entsteht kein Niederschlag auf der Anlage, der Kaltdampf (ein Nebel allerfeinster Tröpfchen) geht vielmehr in die allgemeine Luftfeuchtigkeit mit ein. Schade, dass das Modell bereits jetzt ab Werk ausverkauft ist, immerhin ist es noch neu bei den einschlägigen Auktionsseiten im Internet zu finden. Bleibt hier nur, Märklin (und anderen Herstellern) Mut zuzusprechen, weitere Modelle mit dieser Technik aufzulegen – denn uns hat sie überzeugt.

 

von Bernd Keidel

 

Auszug aus
Digitale Modellbahn 3/2018
Best.-Nr.: 651803 l € 8,00

 

Die Juni-Ausgabe der Digitalen Modellbahn 3/18 mit dem Schwerpunkt "Modernes Schalten" erscheint am 21.06.

 

  • Märklins Tiger: Wasser statt Dampföl
  • Moba-Apps Selbstgemacht
  • Stromsniffer für Belegtmeldung
  • Servos für Faller-Schuppentore
  • Kameraeinbau im Zug
  • Platinenreparatur
  • Loks digitalisieren: VT04 von Kato, österreichisches Krokodil von Roco und Liliput-U

 

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